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1789-1917, Rückfahrkarte
1789-1917 Return Ticket

Author(s): Francois Furet
Contributor(s): Holger Fliessbach (Translator)
Subject(s): 18th Century, Post-Communist Transformation
Published by: Institut für die Wissenschaften vom Menschen
Keywords: France 1990; Francois Mitterand; French communism; French catholicism;

Summary/Abstract: Das Interessanteste an der Zweihundertjahrfeier der Französischen Revolution hat am wenigsten Beachtung gefunden, nämlich die Begleitumstände dieses fast aufdringlich gefeierten Spektakels. Damit meine ich nicht seine Inszenierung, sondern gerade das, was mit ihm nichts zu tun hatte: die politische Situation in Frankreich und in der Welt. In Frankreich hält sich die Linke nur deshalb so dauerhaft an der Macht, weil sie sich von der Idee des revolutionären Umsturzes verabschiedet hat. Es ist gar nicht nötig, bei dieser Tatsache des längeren zu verweilen, es sei denn, um zu unterstreichen, daß sie untrennbar mit einer anderen, tiefergehenden Entwicklung zusammenhängt, die Francois Mitterrand geschickt zu handhaben verstand und deren beiden auffälligsten Merkmale die Einbindung der Katholiken und der Kommunisten in die demokratische Politik waren. Die Integration der Katholiken geht auf die Vorkriegszeit zurück, und ihr Symbol ist die Beilegung des Schulstreits in der IV. und V. Republik: eine Regelung, welche die Sozialisten nach ihrem Wahlsieg 1981 rückgängig zu machen suchten, mit der sie sich aber wohlweislich 1984 abfanden, als sie erkannten, auf welche Widerstände sie mit ihrer Initiative stießen. Darüberhinaus geben die französischen Katholiken ihre Stimmen von Mal zu Mal weniger den Rechten, wie das für lange Zeit der Fall war. Damit war der tiefste Konflikt, den die Revolution in der öffentlichen Meinung der Nation aufgerissen hatte, beigelegt, was zugleich eine der Voraussetzungen für die demokratische Wachablösung in Frankreich ist.

  • Issue Year: 1990
  • Issue No: 01
  • Page Range: 048-062
  • Page Count: 15
  • Language: German